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Der Alptraum vor der Ladentür

Umsatzverlust durch Baustelle

Ein Albtraum, der für viele Händler bereits Realität geworden ist: eine Baustelle, die sich direkt vor dem Laden befindet. Die Stammkunden erreichen das Geschäft mit dem Fahrzeug nur schwer, die Laufkundschaft läuft daran vorbei, die Folge sind rasante Umsatzrückgänge.

Eine Baustelle vor der Ladentür ist eine ernstzunehmende Problematik, die nicht selten zu rasanten Umsatzeinbrüchen oder sogar zur Existenz­gefährdung führt.
Eine Baustelle vor der Tür kann weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. So sind unter Umständen die Zufahrtswege nicht befahrbar, die Parkplätze nicht zugänglich, die Schaufenster durch Gerüste, Bauzäune oder ähnliches verdeckt. Dadurch gehen viele Kunden verloren, was gerade für Geschäfte, die von einer hohen Kundenfrequenz abhängig sind, schwer zu kompensieren ist. Nicht selten berichten betroffene Unternehmen von Umsatzeinbrüchen von 50 % und mehr.

Laufkundschaft betroffen

Dabei kann gerade für Läden mit hoher Laufkundschaft eine Baustelle besonders problematisch sein. So berichtet ein Händler, dessen Geschäftsgebäude seit Anfang des Jahres saniert wird: „Durch das Baugerüst, den Baukran und der halbseitigen Straßensperre ist die Sicht auf unseren Laden stark eingeschränkt. Durch Werbemaßnahmen und Aktionen vor allem in sozialen Netzwerken und in den Tageszeitungen blieb uns die Stammkundschaft treu. Allerdings hat die für uns so wichtige Laufkundschaft unseren Laden zu großen Teilen nicht wahrgenommen und ist daran vorbeigelaufen – trotz Plakaten an den Stirnseiten der Baustelle und am Baugerüst. Einige Kunden, die uns gezielt gesucht haben, haben erzählt, dass sie uns trotz Hinweisplakaten nicht gefunden haben. Erst auf Nachfrage bei Nachbarn sind sie auf den Laden aufmerksam geworden.“

Entschädigungen sind selten

Angesichts der Umsatzrückgänge, die gerade bei einer langen Bautätigkeit oder bei einer sehr starken Einschränkung der Erreichbarkeit immense Ausmaße annehmen können, stellen sich Betroffene immer wieder die Frage nach Entschädigungen – und werden in den allermeisten Fällen enttäuscht. So ist zwar ein Anspruch auf Entschädigung grundsätzlich gesetzlich geregelt, in der Praxis haben die Händler jedoch kaum eine Handhabe. Entscheidend ist hier der Begriff des „Sonderopfers“. Entschädigungen fließen erst dann, wenn ein „Sonderopfer“ vorliegt, sprich, wenn die Beeinträchtigung durch die Baumaßnahme rechtswidrig oder unverhältnismäßig ist bzw. die Folgen der Bauarbeiten im Hinblick auf Art und Dauer sehr einschneidend sind. Dabei haben Rechtsurteile gezeigt, dass in den allermeisten Fällen kein „Sonderopfer“ vorliegt. Wird z .B. eine Straße saniert, dient dies zur Verbesserung des Straßen­bildes. Können dann während der Bauphase nur Fußgänger das Geschäft erreichen, fallen Parkplätze weg, sind Umwege notwendig oder machen Bauzäune die Nutzung von Schaufenstern unmöglich, so haben Gerichte entschieden, dass in diesen Fällen keine Entschädigung gefordert werden kann.

Reduzierung der Mietkosten

Ob der Mieter im Falle einer Behinderung durch Bauarbeiten Anspruch auf Senkung der Miete hat, ist vor Gericht ebenfalls nicht eindeutig geregelt und hängt vom konkreten Einzelfall ab. So haben nach Auffassung des Bundes­gerichtshofes grundsätzlich die Mieter bei Beeinträchtigung der Nutzung oder Zugänglichkeit der Räume das Recht, die Miete zu kürzen. Wann jedoch konkret diese Beeinträchtigung in einem aus­reichenden Maß vorliegt und wie hoch ggf. eine Mietminderung ausfallen darf, muss im Einzelfall untersucht werden.

Kurzarbeit oder Zwangsurlaub

Durch den Rückgang der Nachfrage bleiben häufig die Umsätze aus, um die bestehenden Fixkosten zu decken. Der größte Kostenfaktor sind dabei die Personalkosten. Hinzu kommt, dass durch den Rückgang der Kundenfrequenz die Mitarbeiter phasenweise schlicht beschäftigungslos sind. Auch wenn vielen Unternehmern die Entscheidung nicht leicht fällt, bleibt ihnen oft gar keine Wahl, Personalmaßnahmen zu ergreifen, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Unternehmer haben im Falle von Baustellen vor der Tür die Möglichkeit, den Mitarbeitern einen Zwangsurlaub anzuordnen. Als weitere Option können Unternehmer von der Kurzarbeit Gebrauch machen, da im Fall von Baumaßnahmen vor dem Geschäft in aller Regel die Voraussetzungen für Kurz­arbeit (u. a. ein erheblicher, vorüber­gehender und nicht vermeidbarer Arbeitsausfall aufgrund eines unabwendbaren Ereignisses) gegeben sind. Im Rahmen der Kurzarbeit arbeiten die Mitarbeiter während der Bauphase weniger oder überhaupt nicht, der dadurch entstehende Verdienstausfall wird durch die Arbeitsagentur in gewisser Höhe aus­geglichen. Beantragt wird das sogenannte Kurzarbeitergeld bei der Bundesagentur für Arbeit, bei der auch genaue Informationen zu den Voraussetzungen und der Beantragung erhältlich sind.

Die Mitarbeiter sind davon nicht begeistert, allerdings sehen sich Händler aufgrund der finanziellen Schieflage zu solchen Reaktionen gezwungen. Entscheidend ist hier die Kommunikation. Wird den Mitarbeitern der Sachverhalt und die Notwendigkeit plausibel dargestellt, so haben diese eher Verständnis.

Lager reduzieren

Wenn Umsatzeinbußen erkennbar sind, muss auch der Wareneinkauf angepasst werden. Ein 20%-iger Umsatzrückgang muss zwangsläufig auch einen 20%-igen Rückgang bei den regelmä­ßigen Einkäufen nach sich ziehen. Ansonsten baut sich der Lagerbestand auf und das Bankkonto läuft ins Minus.

Bankgespräch suchen

Darüber hinaus sollten Unternehmen, die über einen vergleichsweise geringen Liquiditätsspielraum bei der Bank verfügen, schon vor Beginn der Baumaßnahme mit der Hausbank sprechen, wenn ein erhöhter Liquiditäts­bedarf besteht. Denn nichts können Banker weniger leiden, als von einem plötzlichen Kreditbedarf überrascht zu werden.

Kreativität ist gefragt

Häufig bleibt den Händlern schließlich nur noch Eigeninitiative, um mit kreativen Informations- und Werbemaßnahmen die Kunden auf den Laden aufmerksam zu machen und die Nachfrage hoch zu halten. Ein wichtiger Punkt ist dabei eine ausreichende Beschilderung, durch die auf die Erreichbarkeit des

Ladens sowie auf Parkplätze bzw. Ausweichparkplätze hingewiesen wird. Zusätzlich sollte sich der Unternehmer auch in Abstimmung mit seinen Mitarbeitern eine Art „Baustellenmarketing“ überlegen. Bestanteile dieses Baustellenmarketings können u. a. die Entwicklung eines Logos/Slogans, eines Baustellenmaskottchens zur Identifikation, die Nutzung der Bauvorrichtungen (z. B. des Bauzauns) als Werbefläche, die verstärkte Kommunikation über Social-Media-Kanälen wie Facebook sowie diverse Veranstaltungen wie z. B. eine Einweihungsfeier zum ersten Spatenstich, eine Baustellenparty, einen Tag der offenen Baustelle usw. sein. Wenn sich Baumaßnahmen in der Stadt ankündigen, dann sollten sich die Einzelhändler allesamt zusammenschließen und gemeinsam in Erfahrung bringen, welche Beeinträchtigungen in welchen Zeiträumen zu erwarten sind und wie gemeinsam Maßnahmen ergriffen werden können.

Corinna Szabo, Unternehmesberatung Heckner

Fazit

Eine Baustelle vor der Ladentür ist eine ernstzunehmende Problematik, die nicht selten zu rasanten Umsatzeinbrüchen oder sogar zur Existenz­gefährdung führt. Aus rechtlicher Sicht haben die Händler kaum Handlungsoptionen, Entschädigungen gibt es nur in wenigen Einzelfällen. Oft hilft deshalb nur die Kreativität der Unternehmer oder der Zusammenhalt der Händler,
z. B. durch gemeinsame Aktionen zur Frequenzsteigerung oder durch gegenseitige Unterstützung. Trotz getroffener Maßnahmen bleibt am Ende oft nur die Parole: „Durchhalten, bis die Baustelle zu Ende ist.“


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